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Klimaschutzpolitik


Unter Klimaschutzpolitik versteht man politische Maßnahmen zum Schutz des Weltklimas auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene. Ziel der Klimaschutzpolitik ist es, die Geschwindigkeit und die Auswirkungen der Globalen Erwärmung zu reduzieren bzw. zu stoppen. Hauptsächliches Mittel dazu ist die Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen, da diese für die Erwärmung des Erdklimas (Treibhauseffekt) verantwortlich gemacht werden.

Die Klimapolitik ist Teil der Umweltpolitik, weist aber die Besonderheit auf, dass sie nur bei einem weltweiten Ansatz Erfolg haben kann. Ihr Erfolg hängt deshalb noch mehr als in anderen Bereichen der Umweltpolitik von der Bereitschaft zur internationalen Zusammenarbeit ab.

Internationale Maßnahmen:

1992 wurde nach langen Verhandlungen in Rio de Janeiro die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen unterzeichnet, die international unter dem Kürzel UNFCCC bekannt ist. Sie heißt Rahmenkonvention, weil sie im wesentlichen nur eine allgemeine Verständigung über die Zielsetzung des Klimaschutzes festschreibt, die Erarbeitung eines Instrumentariums zur Erreichung dieses Ziels aber weiteren Verhandlungen (Conference of the Parties (COP)) überlässt, den so genannten UN-Klimakonferenzen. Ein wesentlicher Meilenstein dieser Verhandlungen wurde fünf Jahre später in Form des Kyoto-Protokolls erreicht. Eine der Maßnahmen, die die Vereinbarungen des Kyoto-Protokolls verwirklichen, ist der Emissionsrechtehandel, der weltweit Staaten und Unternehmen die Möglichkeit gibt, von eigenen Investitionen in den Klimaschutz zu profitieren.

Eines der größten Probleme der Klimaschutzpolitik bereitet - neben der Verweigerungshaltung der USA - die Forderung vieler Entwicklungsländer, nicht durch Klimaschutzverpflichtungen in ihrer industriellen Entwicklung gehindert zu werden. Dort besteht ein Zielkonflikt mit der Entwicklungspolitik, der nicht gänzlich gelöst werden kann. Die Entwicklungspolitik berücksichtigt jedoch Forderungen des Klimaschutzes zunehmend dadurch, dass sie sich auf den Transfer von modernen, "sauberen" Technologien konzentriert, die nach Möglichkeit den Bedürfnissen der Entwicklungsländer angepasst sind.

Aus dem am 4. Mai 2007 in Bangkok veröffentlichten dritten Teil des UN-Klimaberichts geht hervor, dass der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen bis spätestens 2015 stabilisiert werden muss, wenn die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch abgewendet werden sollen. In spätestens acht Jahren dürfen die Treibhausgas-Emissionen nicht mehr weiter ansteigen.

Wirksamer Klimaschutz durch weltweite Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes ist bezahlbar und volkswirtschaftlich sinnvoll. Dies belegt eine wissenschaftliche Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), auf die sich der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) stützt. Um das Zwei-Grad-Ziel (höchst zulässige Globale Erwärmung der Erde) einzuhalten, wird mit Kosten für den Klimaschutz von einem Prozent des weltweiten Sozialprodukts gerechnet. Von entscheidender Bedeutung sind gemäß IPCC die forcierte Entwicklung der erneuerbaren Energien, die wirksame Steigerung der Energieeffizienz und die Abscheidung und Einlagerung von CO2.

Die Weltbank veröffentlicht jährlich Schlüsseldaten aus den Bereichen Umwelt und Entwicklung für über 200 Länder. Am 9. Mai 2007 hat die Weltbank den Bericht "Little Green Data Book 2007" vorgelegt. 2007 konzentriert sich der Bericht der Weltbank auf Energie und Klimawandel. Nach diesem Bericht sind die CO2-Emissionen zwischen 2003 und 1990 weltweit um 19 Prozent gestiegen.

Auf der Klimakonferenz in Bali im Dezember 2007 haben sich 186 Staaten (unter Einschluss der USA, der Volksrepublik China und Indiens) auf die Aushandlung eines Klimaschutzabkommens zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen bis 2009 verständigt. Das von 21 Staaten nicht ratifizierte Kyoto-Protokoll soll dadurch abgelöst und der Ratifizierungsprozess für das neue Abkommen bis 2012 abgeschlossen werden. Nur als Fußnote aufgenommen wurden wissenschaftlich begründete Forderungen, wonach die Industrieländer ihre Emissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent unter das Niveau von 1990 zurückführen müssten. Die "Bali-Roadmap" besagt u.a., dass alle Industrieländer ihre Emissionen "quantitativ und in einer Vergleichbaren Weise" zu reduzieren haben, sowie dass die sogenannten Entwicklungsländer mit Unterstützung der Industrieländer "messbare und überprüfbare" Beiträge zur weltweiten Emissionsminderung zu erbringen haben.

Europäische Maßnahmen:

Zahlreiche in den letzten Jahren erfolgte Einzelmaßnahmen und Rechtsänderungen dienen - oft neben anderen Zielen - dem Klimaschutz. Ein erheblicher Teil dieser Rechtsänderungen zielt darauf ab, durch effizientere Energienutzung den Energieverbrauch und damit die CO2-Emissionen zu senken. Die Regulierung des Ausstoßes anderer Treibhausgase steht erst am Anfang. Regelungen, die die klimarelevanten Emissionen der Industrie und des Verkehrs einschränken sollen, stoßen jedoch auf starke Widerstände von Teilen der Industrie und auch innerhalb von Politik und Gesellschaft. Ein Beispiel dafür war die gesetzliche Regelung zum Emissionsrechtehandel.

Am 20. Februar 2007 verständigten sich die EU-Umweltminister auf eine gemeinsame Klimaschutzstrategie. Diese sieht unter anderem eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um mindestens 20 Prozent vor. Im Zuge einer gerechten Lastenverteilung sollen dabei Länder mit verhältnismäßig stabiler Ökonomie, darunter Deutschland, einen besonders nachhaltigen Beitrag leisten. Im Detail müssen die Zielvorgaben für die einzelnen Länder noch ausgehandelt werden.

Am 10. Mai 2007 haben in Leipzig sieben der größten Umweltforschungszentren Europas das Forschungsnetzwerk "Partnership for European Environmental Research" (PEER) gegründet. Im PEER-Netzwerk arbeiten Umweltforschungszentren aus Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden sowie die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission zusammen. Das Ziel des PEER-Netzwerks ist, neue Ansätze im Umgang mit dem Klimawandel zu finden. Die Gesamtzahl der Mitarbeiter beträgt rund 4.700. Das Gesamtbudget beläuft sich auf 360 Millionen Euro.

Deutsche Maßnahmen:

Bereits 1995 hatte sich Deutschland auf dem Klimagipfel in Berlin verpflichtet, den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) bis zum Jahr 2005 um 25 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Das Nationale Klimaschutzprogramm der Bundesrepublik Deutschland vom 18. Oktober 2000 sollte sicherstellen, dass das von Deutschland auf europäischer und internationaler Ebene zugesagte Ziel einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen erreicht wird. Mit dem Beschluss der Bundesregierung vom 13. Juli 2005 wurde das Nationale Klimaschutzprogramm fortgeschrieben (Nationales Klimaschutzprogramm 2005).

Die Kohlendioxid-Emissionen werden in Deutschland für Großemittenten, die dem Emissionshandel unterliegen (Energiewirtschaft und Teile der Industrie) bis 2007 auf 503 Millionen Tonnen pro Jahr begrenzt, bis 2012 auf 495 Millionen Tonnen. (Das Umweltministerium hatte ursprünglich eine Begrenzung auf 488 beziehungsweise 480 Millionen Tonnen gefordert.)

Wesentliche gesetzliche Elemente der deutschen Klimaschutzpolitik sind das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das die Erzeugung von Strom aus erneuerbarer Energie fördert, und die Energieeinsparverordnung, die den Bedarf an (üblicherweise fossil gedeckter) Energie bei Neubauten limitiert. Photovoltaikanlagen und kleinere Windenergieanlagen sind im Baurecht durch niedrige Auflagen bevorzugt.

Hinzu kommen Förderprogramme für bessere Wärmedämmung, Thermische Solaranlagen und Photovoltaik.

2004 wurden in Deutschland 886 Mio. t CO2 ausgestoßen. Das sind gegenüber 1990 (Referenzjahr des Kyoto-Protokolls) etwa 17 % weniger. Unstrittige Hauptursache war der Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft in den frühen 1990er Jahren. Seit etwa 1999 (881 Mio. t) stagniert der deutsche CO2-Ausstoß. Im Bereich Verkehr ist sogar eine Steigerung von 162 auf 172 Mio. t zu verzeichnen.

Führende Vertreter von Forschung und Wirtschaft haben am 3. Mai 2007 in Hamburg über eine nationale Lösungsstrategie für den Klimawandel beraten. Bis zum Herbst soll eine konkrete Hightech-Strategie entwickelt werden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt für die Forschung zum Klimawandel in den nächsten drei Jahren 255 Millionen Euro zur Verfügung.

Deutschland sollte als Vorreiter im Klimaschutz durch eine eigene Minderungsverpflichtung für den CO2-Ausstoß von 40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990 eine 30-Prozent-Minderung der EU unterstützen. Dazu hat das Umweltbundesamt (UBA) ein "40-Prozent-Szenario" entwickelt, nach dem sich 40 Prozent des CO2-Ausstoßes in Deutschland senken ließen. Damit würde der deutsche Beitrag zum Zwei-Grad-Ziel mit Kosten von 0,5 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts erreicht werden. Das Szenario enthält die acht wichtigsten Maßnahmen für den Klimaschutz.

Für weitere Klimaschutzbemühungen wurden in Deutschland verschiedene Kampagnen ins Leben gerufen:

Die mengenmäßig und kostenwirksamste Kampagne ist "Klima sucht Schutz", organisiert von der gemeinnützigen co2online GmbH und seit 2004 gefördert vom Bundesumweltministerium (BMU). Mit der Leitidee "Geld sparen - Klima schützen" motivieren vor allem online-Dialog-Ratgeber auf ca. 700 Websites durch Vorrechnen der individuellen Sparmöglichkeiten und der zugehörigen CO2-Vermeidung. In den ersten 3 Jahren (7/2004-6/2007) wurden durch 1,8 Mio. abgeschlossene Online-Beratungen und über 15.000 schriftliche Heizgutachten Maßnahmen zur Vermeidung von mind. 2,4 Mio. t CO2 motiviert (ermittelt durch Nachbefragung der Ratgebernutzer).

In einer Kooperation mit den Umweltverbänden BUND, Greenpeace und WWF startete die Bild-Zeitung am 17. April 2007 die Kampagne "Rettet unsere Erde. Ich mache mit!". Mit Hilfe einer bundesweiten Mitmachaktion in der Bild sollen bis zum Jahresende 3,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.

Bündnis 90/Die Grünen rufen seit März 2007 mit ihrer Kampagne "Klima ohne Wenn und Aber" die Bürger auf, ihren Alltag klimafreundlich zu gestalten und Druck zu machen für eine ernsthafte Klimapolitik. Zentrales Element der Kampagne ist der Kampf gegen den geplanten Bau von mehr als 30 neuen Kohlekraftwerken in Deutschland.

Ein breites Bündnis von Umweltorganisationen hat die Aktion "Atomausstieg selber machen" ins Leben gerufen. Hierdurch wird nicht nur Atomkraftstrom vermieden, sondern auch Kohlendioxid vermieden, da für den Stromanbieterwechsel geworben wird.

Auch "Campact. Kampagnen für eine lebendige Demokratie" ruft regelmäßig zu bundesweiten Klimaschutz-Aktionen auf. So wurden beispielsweise zehntausende Unterschriften in eine Eiswand mit dem Schriftzug "Zeit zum Handeln" eingefroren. Diese wurden beim Treffen der EU-Umweltminister am 1. Juni 2007 in Essen präsentiert, um öffentlich Druck zu machen.

Auch im kommerziellen Bereich sind einige Klimakampagnen zu finden, so beispielsweise von der "Initiative 2°" [14], von VW oder von Lufthansa.

Weiter zum Thema Klimaschutzpolitik bei Wikipedia.


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